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Profitabilität und Kapitalausstattung deutscher Energieversorgungsunternehmen

Die Profitabilität der deutschen Energieversorger geht weiter zurück: Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Umsatzrendite um 0,4 Prozent gesunken, ergab eine Studie der Managementberatung Kienbaum. Schon von 2010 auf 2011 war die Profitabilität um 0,7 Prozent zurückgegangen. Kleine Energieversorger weisen immer noch die höchste Umsatzrendite auf, sind jedoch am stärksten vom jüngsten Rückgang betroffen: Ihre Rendite betrug 2013 im Schnitt 8,5 Prozent, die der mittleren und großen Versorger hingegen nur rund fünf Prozent, wie aus der aktuellen Studie von Kienbaum hervorgeht, in der die Beratungsgesellschaft die finanzielle Performance und Kapitalstruktur von mehr als 220 deutschen Energieversorgungsunternehmen untersucht hat.

„Die Gründe für den Rückgang der Profitabilität sind vielfältig: Dazu gehören der schwierige Erzeugungsmarkt, Margendruck durch zunehmenden Wettbewerb um Kunden und Konzessionen, Effizienzvorgaben im Netzbereich und neue Geschäftsmodelle mit geringeren oder noch keinen Margen“, sagt Olaf Geyer, Energy-Experte bei Kienbaum.

Inflationsbereinigt sind die Umsätze der deutschen Energieversorger erstmalig rückläufig: Zwar wächst die Branche nominal um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; inflationsbereinigt gehen die Umsätze jedoch um 1,3 Prozent zurück. Dabei ist die Umsatzentwicklung der einzelnen Energieversorger sehr unterschiedlich: 79 Prozent konnten ihren Umsatz immerhin nominal steigern. Jedoch wächst jedes zweite Unternehmen nominal auf Kosten der Marge – mit steigender Tendenz. Auf der anderen Seite geht der Anteil der Versorger, die profitabel wachsen, auf 29 Prozent zurück. „Die Umsätze sind inflationsbereinigt rückläufig, weil auf der anderen Seite die Preise deutlich gestiegen sind. Die immer höheren Umlagen spielen hier eine bedeutende Rolle. Echtes Wachstum konnten einzelne Energieversorger etwa durch Konzessionserwerb und den Ausbau der erneuerbaren Energien, von Kraft-Wärme-Kopplung und von Energiedienstleistungen realisieren“, sagt Kienbaum-Berater Geyer.

Die Energieversorger konnten ihre Rohmarge, das heißt die Differenz aus Umsatz und Materialeinsatz, verbessern: Sie steigt um 1,6 Prozentpunkte auf 38,4 Prozent. Trotzdem bleiben allerdings 18 Prozent der Unternehmen trotz überdurchschnittlicher Rohmarge unterhalb der Branchenprofitabilität. „Die Energieversorger konnten ihre Beschaffung aufgrund von sinkenden Großhandelspreisen verbessern. Allerdings können sie dies nicht in eine höhere Profitabilität ummünzen“, sagt Studienautor Olaf Geyer.

Die Energieversorger reduzieren ihren Personalaufwand und erhöhen stattdessen den Materialaufwand, also Fremdleistungen, ergab die Kienbaum-Studie: Die Personalaufwandsquote sank auf 11,3 Prozent, die Materialaufwandsquote stieg auf 71,9 Prozent. „Der Trend geht also hin zu weniger Personal. Dafür kaufen die Energieversorger verstärkt Fremdleistungen ein. Energieversorger reagieren damit auf die steigende Komplexität und realisieren Effizienzpotenziale durch Kooperationen und Outsourcing“, sagt Olaf Geyer von Kienbaum.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Energieversorger ist leicht gesunken und beträgt derzeit 34,9 Prozent. Momentan liegt die Quote nur bei 13 Prozent der Unternehmen im kritischen Bereich, also unter 20 Prozent – allerdings mit steigender Tendenz. „Angesichts des geringen Zinsniveaus sind hohe Eigenkapitalquoten zwischen 60 und 85 Prozent kritisch zu hinterfragen“, sagt Energy-Experte Olaf Geyer und ergänzt: „Zwar ist die Investitionsquote weiterhin leicht rückläufig, auf der anderen Seite übersteigen bei der Mehrheit der Unternehmen aber die Investitionen in Sachanlagen die Abschreibungen; es wird also Substanz aufgebaut.“

Kienbaum Consultants International GmbH, August 2015